Vor 90 Jahren: Die erste Rede einer Frau vor einem deutschen Parlament

Veröffentlicht am 17.02.2009 in Bundes-SPD
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Die erste Rede einer Frau vor einem deutschen Parlament jährt sich am 19. Februar zum 90. Mal. Die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und Mitglied des SPD-Präsidiums, Elke Ferner MdB, würdigt die Sozialdemokratin Marie Juchacz und erklärt hierzu:

Der 19. Februar 1919 zählt zu den bedeutendsten Tagen der deutschen Parlamentsgeschichte: Marie Juchacz, Abgeordnete der SPD, hielt als erste Frau eine Rede in einem demokratisch gewählten Parlament in Deutschland, in der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung. Nur drei Monate zuvor war das Frauenwahlrecht Gesetz geworden.

Damit wurde zum ersten Mal in einem deutschen Parlament eine Frau als Abgeordnete „zum Wort aufgerufen“. Schon ihre Anrede „Meine Herren und Damen!“ erregte bei den männlichen Zuhörern große Heiterkeit. Davon ließ Marie Juchacz sich jedoch nicht abhalten, ihre Stimme für die junge Demokratie zu erheben. Die politische Gleichstellung begriff sie als Chance für die Frauen, nun endlich ihre „Kräfte zur vollen Entfaltung“ zu bringen und sich in die drängenden Probleme ihrer Zeit einzumischen. Das aktive und passive Wahlrecht war für sie nur der erste Schritt dazu, mit „angestrengtester und zielbewusstester Arbeit den Frauen im staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Leben zu der Stellung zu verhelfen, die ihnen zukommt.“ - so der Auftakt ihrer engagierten Rede.

Im Wahljahr 2009 wird jede Stimme zählen; jede und jeder ist dazu aufgerufen und in der Verantwortung, sich an den kommenden Abstimmungen zu beteiligen. Eine starke Demokratie braucht aber mehr, als die „Stimme abzugeben“. Frauen müssen ihre Stimme auch erheben, sich aktiv einmischen in die Politik, wenn sich etwas bewegen soll. Wir ermutigen Frauen, sich mit ihren Ideen, Anliegen und Fähigkeiten aktiv einzubringen, wenn es um die politische Gestaltung unserer Gesellschaft geht.

Runter von den Zuschauerrängen und rauf auf die politische Bühne!

Zwar ist der Frauenanteil in den Parlamenten im Vergleich zu 1919 deutlich gestiegen. Ausgerechnet die Führungsetagen der deutschen Wirtschaft dagegen sind der am besten ausgebildeten Frauengeneration, die unser Land je hatte, aber weitgehend versperrt. In den Vorständen der 30 DAX-Unternehmen finden sich gerade einmal zwei Frauen. Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Deutschland im EU-Vergleich besonders hoch.

Gleicher Lohn für gleich(wertig)e Arbeit, mehr Frauen in die Führungsetagen von Wirtschaft, Verwaltung, Forschung und Lehre sowie ein Mindestanteil von Frauen in Aufsichtsräten – das sind die Aufgaben für die nächste Wahlperiode. Die freiwillige Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Wirtschaft hat noch nicht einmal in Ansätzen gewirkt. Frauen wollen, dass Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes jetzt endlich umgesetzt wird. Deshalb fordert die ASF verbindliche gesetzliche Regelungen, damit die rechtliche Gleichstellung endlich in allen Bereichen zur Realität wird.

 

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